Donnerstag, 1. September 2016

Die Geschichte des Tausendfüßlers

Der Tausendfüßler genoss ruhig und glücklich sein Leben im Wald. Die Hornisse sah sich lange diesen Ausdruck von natürlicher Harmonie an, bis sie eines Tages zum Spaß sagte: „Es ist eine große Kunst, so viele Füße gleichzeitig zu bewegen und sie so zu koordinieren, dass du gehen kannst. Aber, sag mal, in welcher Reihenfolge bewegen sich deine Füße?“

Der Tausendfüßler hatte sich die Frage bis dahin noch nie gestellt. Er fing an zu überlegen, um selbst eine Antwort auf die Frage zu bekommen. Jetzt liegt er in einem Grab. Unbeweglich und verdutzt denkt er darüber nach, wie er sich vorwärtsbewegen soll. 

Er weiß nicht, dass er von einem Problem beherrscht wird, welches gar nicht existiert. Geblendet von seinem eigenen, aber sinnlosen Anspruch, welcher ihm keinen Vorteil und keine Verbesserung der Lebensqualität bringt, leidet er unter der Macht seiner eigenen Gedanken.    

Derjenige, der weise ist, weiß, dass es einfach ist, eine List zu erfinden. Die Gründe dafür sind unzählige, meistens herrscht der Neid. Und der Weise weiß auch, wie einfach es ist, der Spontanität zu widersprechen. Wo es keine Probleme gibt, werden gerne welche erdacht.

Der Weise erfindet keine Falle für alles, was die eigene Essenz spontan entwickelt. Er hatte lange gesucht, bis er sich selbst gefunden hat. Und er hat gelernt zu unterscheiden zwischen dem, was seine Augen sehen und dem, was sein Herz fühlt.

Montag, 1. August 2016

Liebe und Weisheit sind deine Freiheit


Man kann dich an den Hand- und den Fußgelenken fesseln, ohne im Geringsten die grüne und blumige Wiese deiner Phantasie einschränken zu können. Man kann dir die Augen verbinden, ohne die Sichtweise deiner Vorstellungskraft verhindern zu können.

Denke daran, dass die Gewalttätigen nur aufgrund ihrer eigenen Schwächen existieren, nicht aufgrund deiner Schwächen. Sie tolerieren deine Sanftmut nicht, deine Weisheit irritiert sie. Du bist für sie unerreichbar und dadurch machst du sie wütend. Auch wenn du nicht handelst, wirst du ihren Hass anziehen.  

Zuerst werden sie versuchen dich zu kaufen, danach dich einzuschüchtern. Du wirst sie durch ihre Niederträchtigkeit anschauen und sie werden wissen, wer das Sagen hat. Aus diesem Grund werden sie dich vernichten wollen.

Die Törichten wissen nicht, dass ignorieren oder sogar töten keine Lösung und gar nicht ein Auslöschen ist. So werden sie probieren, dich auf diese Art zu besiegen. Und so wirst du wandern. Du wirst aus der Sicht ihrer Augen verschwinden und in den Alpträumen ihrer Nächte erscheinen. Deine hinterlassene Lehre wird dich in denjenigen weiterleben lassen, die dasselbe suchen wie du. 

Der Weg der Harmonie ist nicht der leichteste und oft bringt er Niederlagen mit sich. Es sind aber nur Episoden, Hindernisse, welche deinen Weg kreuzen werden. Sie haben die Aufgabe dich zu stärken. Komm nicht vom Weg der Harmonie ab, denn am Ende wirst du dein wertvolles Ziel erreichen, was dich für alle Anstrengungen belohnen wird.

Freitag, 1. Juli 2016

Der Augenblick lebt aus der Vergangenheit

Wenn ich denke, im Leben etwas erreicht zu haben, und ich mir einbilde, aus meiner eigenen Erfahrung gehandelt zu haben, schränke ich meine Fähigkeiten selbst ein. Dadurch verlasse ich den Boden der Realität. 


In Wirklichkeit erlebe ich mich nicht selbst in diesem Augenblick, sondern die Erfahrungen anderer.Ich bin eine Zusammenfassung von dem, was vergangen ist, und mein Handeln basiert auf gegebenen Erkenntnissen. Die Nachkommenden werden mich erleben, und ihr Handeln wird wiederum auf meinen Erkenntnissen basieren.


Der Mensch ist also eine Form von „Gegenwart“, welche vergangene Erfahrungen lebt. Mit seinem Leben fördert er Themen, welche seine Nachkommenden erleben werden. Er selbst wird sie nur in der Entwicklungsphase erleben, wird aber nicht in die Tiefe blicken können. 


Rennen die Pferde nicht mit dem Futter vom vergangenen Tag? Ehre diejenigen, die gehen, denn sie bereiten dich und dein Leben vor.Halte diesen Gedanken in deinem Herzen fest, er wird dir zeigen, wer du bist. Durch diese Erkenntnis wirst du kleine Dinge machen, um Größeres in Bewegung zu setzen.


Eine große Mauer besteht aus vielen kleinen Steinen. Es ist viel Arbeit, Schweiß und Zeit notwendig, um sie zu bauen. Zuerst musst du eine stabile Basis aufbauen, die Mauer braucht Stabilität. In der Luft gibt es keinen Platz für den letzten Stein auf der Mauer, wenn du nicht den ersten und die anderen unter ihn gelegt hast.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Die Kraft der Güte

Dein Auge beherrscht die Fähigkeit vieles zu erkennen, sowohl in der Nähe als auch auf große Entfernungen. Teilweise erscheint es dir sogar so, als ob es unendlich wäre. Dadurch hast du die Möglichkeit, die Welt in all ihrer Schönheit zu bewundern. Du hast das Gefühl, dein Auge kann alles sehen, nur sich selbst kann es nicht sehen.

Dein Schwert macht dich stolz und verleiht dir Selbstsicherheit. Es scheint mächtig zu sein. Es kann alles schneiden, du findest kaum etwas, was seiner großen Macht trotzen kann. Es gibt aber etwas, was dein Schwert sicher nicht machen kann: sich selbst schneiden. 

Deine Güte scheint eine unnütze Sache zu sein. Sie hat weder die Fähigkeit deines Auges, noch die Kraft deines Schwertes. Sie ist völlig unscheinbar. Was sie kann, ist zuerst kaum erkennbar. Doch deine Güte ist – anders als dein Auge – tatsächlich unendlich und dazu weit mächtiger als dein Schwert.

Deine Güte kann Nahrung für die anderen und gleichzeitig für dich selbst sein. Benutze sie jeden Tag mit Selbstverständlichkeit, wie du dein Auge verwendest. Setze sie mit Entschlossenheit und Kraft ein, wie du dein Schwert gebrauchst.

Öffne dich ihrer Lehre gegenüber, und lerne die Freude der Selbstlosigkeit.
Niemand kann den anderen etwas antun, ohne sich selbst etwas anzutun.
Deine Güte lehrt dich die Freude des Gebens, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten – wenn du es zulässt. Wenn du Böses tust, tust du dir Böses an, wenn du Gutes tust, wirst du dir selbst auch Gutes antun.

Sonntag, 1. Mai 2016

Die Güte verwirrt die Weisheit

Absolute Schönheit kann nicht definiert werden, sie existiert außerhalb jeder Beschreibung. Und sie kann auch nicht besessen werden. Derjenige, der weise ist, liebt das Schöne, ohne es zu besitzen – er lebt es einfach. Er definiert nicht Dinge und Geschehnisse nach dem, was sie sein sollten, sondern nach dem, was sie sind. Er erkennt das Schöne, auch wenn es sich nicht offensichtlich zeigt.

Genau so geht der Bildhauer vor. Es entdeckt zuerst die versteckte Schönheit im Stein. Dann beginnt er mit seinen Werkzeugen den Stein von allem, was nicht der Wahrheit entspricht, die er sucht, zu befreien. In seiner Arbeit geht er auf, indem er fühlt. Nicht seine Hände enthüllen das Gefühlte – sie sind nur seine Werkzeuge: Sein Herz ist am Werk.

Derjenige, der weise ist, lässt sich immer Zeit für sein Vorgehen. Er macht eine Sache nach der anderen, auch wenn er weiß, dass im Universum alle Dinge gleichzeitig geschehen. Er vergleicht sich nicht und setzt sich nicht unter Druck. Auch bei Abgabeterminen hat er die Zeit, die er benötigt, weil er sich an die Zeit anpasst. Damit gestaltet er den Rhythmus, den sein Werk zum Entstehen benötigt.

Seine ständige Suche ist die Güte. Er macht sie zu seiner Anziehungskraft. Er weiß, dass der Weise den Narren durcheinanderbringt, obwohl er nicht das Bedürfnis hat, es auszunutzen. Er weiß aber auch, dass der Gütige wiederum den Weisen durcheinanderbringen kann. Und auch der Gütige lässt zu, dass der Weise seinen Rhythmus findet, um es zu verstehen.

Die Wahrheit, die Weisheit ist, ist ein Wagen, der, um sich zu bewegen, von der Güte gezogen werden muss. Und auch die Güte untersteht dem Gesetz des Rhythmus. Der Weise, der gütig ist, hat sich bemüht, das Geheimnis seines eigenen Rhythmus zu enthüllen.

Freitag, 1. April 2016

Die Ernte

Wenn du dich in einer unangenehmen Situation befindest, dann setzt du deine Energie ein, um wieder in einen angenehmen Zustand zurückzukehren. Du versuchst, die Situation durch eine Veränderung zu lösen. Achte dabei darauf, wohin du deine Aufmerksamkeit lenkst. Bemühe dich, alles in dir zu lösen. Erst danach – nachdem du die Situation mit dir selbst bereinigt hast – kannst du dich nach außen wenden.

Wenn du nicht glücklich bist, sind weder diejenigen, die dir nicht helfen, noch diejenigen, die dich ablehnen Schuld daran. Genauso wenig verantwortlich dafür ist deine Armut. Der Reichtum anderer soll ebenso wenig deinen geistigen Zustand beeinträchtigen und dich unglücklich machen. Wenn du nicht glücklich bist, ist das allein deine Schuld.

Es gibt Menschen, die glücklich sind, obwohl sie das Doppelte deiner Sorgen haben. Andere wiederum besitzen die Hälfte deines Eigentums und sind auch glücklicher als du. Wenn du dich bemitleidest, wirst du immer in einer Spirale der Unzufriedenheit gefangen bleiben und stetig weiter nach unten sinken. Die erste Unzufriedenheit zieht die nächste nach sich. 
 

Wenn du nach vorne schaust, um zu entdecken, was du nicht hast, wirst du immer etwas finden, was dir gerade fehlt. Wenn du die Weisheit besitzt nach hinten zu schauen, wirst du entdecken, was du bereits hast. Wenn du nicht glücklich bist, trägst du ganz allein die Verantwortung dafür.

Weise und glücklich ist derjenige, der, nachdem er auf dem Feld hart gearbeitet und nur einen halben Sack Reis geerntet hat (weil die Ernte des Jahres nicht so gut ausgefallen ist), erzählt, dass er einen halb vollen Sack hat. Du bist traurig und deprimiert, weil du denkst, dass dein Sack halb leer ist und die Natur dafür die Verantwortung trägt.

Dienstag, 1. März 2016

Was sind Grenzen?

Du gehst durch dein Leben und gelegentlich fragst du dich was du machst, oder vielleicht auch nicht. Eine Pause würde dir gut tun. Sie würde dir helfen dich zu verstehen, ob du dabei bist, wenn du eine Entscheidung triffst oder nicht. Du hast Grenzen, die dir nicht bewusst sind. Hast du dich aber schon gefragt, was Grenzen sind? Und was sind Schmerzen, Einschränkungen, Zwänge, Pflichten?

Ohne, dass du dabei bist, baust du deinen eigenen Käfig in dem du lebst und dich wohl füllst. Damit sperrst du deine Freiheit ein, ohne dass du es mitbekommst. Dabei stirbt deine Kreativität, die Fähigkeit, dich zu entfalten und die Chance dein wahres Können aus dir nach außen zu holen. Dann funktionierst du einfach nur noch.

Der Zen-Gedanke „Ohne Absichten, ohne Ziele“ ist ein Weg, den Käfig zu erkennen und aus ihm zu entkommen. Durch diese Zen-Einstellung lernst du durch dein Käfig durchzugehen, du brauchst nicht mal die Tür aufzumachen. Du verstehst ihn zu ignorieren, zu löschen, du verabschiedest dich von deinen mentalen Einschränkungen.

Du trainierst ständig deine eigenen Grenzen durch deine Rationalität. Sie ist der Gegner, den du zu besiegen hast, wenn du die wahre Freiheit genießen willst. Also, verlasse deine Absichten, etwas erreichen zu wollen, wandere mit deinen Gedanken mal ohne ein Ziel zu haben. Deine Absichten und Ziele lassen zu, dass du nur das erreichst, was du verstehen kannst.

Grenzen, Schmerzen, Einschränkungen, Zwänge, Pflichten ... alles beginnt im Kopf. 
Verabschiede dich von deinem selbstgebauten Käfig, habe den Mut dazu. Stell dich in Frage, entdecke deine Schwächen und deine Stärken und erkenne dadurch wer du bist. Dann wirst du wissen, was du wirklich willst.